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Memleben
Ortsgeschichte
Bereits im 8. Jahrhundert wird Memleben unter dem Namen "Mimelebo" erstmalig erwähnt. Zu dieser Zeit muss in Memleben ein Königsgut bestanden haben. Danach taucht es im 10. Jahrhundert in Verbindung mit den zahlreichen Königs- und Kaiseraufenthalten der Ottonen und mit der Gründung des Benediktinerklosters im Ort wieder auf. Die Ansiedlung des Klosters bestimmte über Jahrhunderte die Ortsgeschichte. Im 16. Jahrhundert wurde das Kloster jedoch aufgelöst und als Gut der neugegründeten Fürstenschule in Schulpforta unterstellt.
Der Dreißigjährige Krieg hat Memleben nicht verschont. Zwischen 1632 und 1642 erlebte das Dorf sechs Überfälle und Brandschatzungen. 45 Bauernhöfe existierten noch nach diesen langen Kriegsjahren. Die Bevölkerung war um 25% zurückgegangen. Um 1759 wurden noch 89 Bauernfamilien gezählt. Obwohl keine persönliche Leibeigenschaft bestand, waren die Bauern und Häusler (Einwohner ohne Landbesitz) dinglich abhängig. Wie schon zur Zeit der Klosterherrschaft leisteten sie Frondienste, gaben Geld und Naturalien ab und mussten Vorrechte des Grundherren anerkennen. Hinzu kamen für das an der Unstrut gelegene Memleben die regelmäßigen Überschwemmungen und fürchterliche Brände, wodurch der Ort oft große Verluste erlitt. Dennoch waren Viehwirtschaft und vor allem der Ackerbau im Memleben gut entwickelt. Seit dem 17. Jahrhundert gewann die auch heute noch betriebene Schafhaltung an Bedeutung. 1763 wurde durch einen Brand fasst das ganze Dorf vernichtet. Nur die Kirche blieb verschont. Der damalige Wiederaufbau des Dorfes bestimmt noch heute sein Bild.
Seit Beginn des 20. Jahrhunderts beeinflussten die nahe gelegenen Kaligruben von Wangen und Roßleben die Entwicklung der Gegend. 1903 wurde der erste Schacht in Rossleben getäuft. Viele Landarbeiter und Bauernsöhne Memlebens verdienten sich ihren Lebensunterhalt von nun an "unter Tage".
Um 1900 zählte Memleben 599, heute (mit OT Wendelstein) etwa 850 Einwohner. Ab 1945 wurde auf den ausgedehnten Ländereien des Klosters ein "volkseigener" landwirtschaftlicher Betrieb errichtet, der bis ins Jahr 1991 hinein existierte. Dieses "Volksgut" bewirtschaftete in seinen besten Zeiten über 3300 ha landwirtschaftliche Nutzfläche. Über 1200 Landwirte der Unstrutniederung fanden hier Lohn und Brot. Nach und nach entwickelte sich das Gut zu einem der bekanntesten Saatzuchtbetriebe der DDR.
Das Volkseigene Gut (VEG) "Thomas Müntzer" Memleben und auch das später daraus herausgelöste VEG "Tierproduktion Memleben" machten sich aber auch einen Namen auf kulturellem Gebiet. Basierend auf den besonderen historischen Gegebenheiten und auf dem Geist des Ortes entwickelte sich hier ein Zentrum der Kultur auf dem Lande in Form von sogenannten "Kooperationsfestspielen". Diese alljährlichen Großveranstaltungen wurden bald zu einem festen Bestandteil des Veranstaltungskalenders des Bezirkes Halle. Sie waren weit über dessen Grenzen hinaus bekannt. Mitunter besuchten an einem Wochenende 10.000 Besucher das kleine Memleben an der Unstrut. Die Klosterruine erwies sich auch als hervorragend geeignete Spielstätte für die "Händelfestspiele" Halle ... u.a.m.
Seit nunmehr über 20 Jahren wird Memleben jedes Jahr von zwei ganz besonderen Gästen aufgesucht. Ein Storchenpaar hat sich seinen komfortablen Brutplatz auf dem Schornstein der alten Bäckerei eingerichtet. Die größte Attraktion ist und bleibt jedoch die historisch wie kunsthistorich bedeutsame spätromanische Klosterruine mit ihrer komplett erhaltenen Krypta. Jährlich zieht das Museum "Kloster und Kaiserpfalz Memleben" über 15.000 Besucher an – Tendenz steigend.
Burg Wendelstein
Die Burg Wendelstein, oberhalb Memlebens an der linken Seite der Unstrut gelegen, wird erstmalig 1312 urkundlich erwähnt. Vermutet wird allerding schon seit der Bronzezeit eine Nutzung des zerklüfteten Gipsfelsen, zunächst als heidnische Opferstätte, ab dem 6. Jahrhundert als Burganlage. 1312 befand sich die Burg im Besitz der Grafen von Rabenswalde, später der Grafen von Orlamünde ebenso wie derer von Witzleben. Nach einer wechselvollen Geschichte wird um 1500 die Burg in eine Festung umgebaut. Im Jahr 1543 folgt die komplette Zerstörung und daraufhin der Neubau und Umbau in eine Wohnschloss. Erneute Umbauten zur modernen Festung, Plünderung und Verwüstung, Aufbau und Abriss von Teilen der Gebäuden bestimmten die nachfolgnden Jahrhunderte. Im 20. Jahrhundert wurde dann umfangreiche Sanierungsmaßnahmen vorgenommen, so dass sich bis heute in einem Großteil der Gebäude Mietwohnungen befinden. Die sogenannte Burg Wendelstein befindet sich in Privatbesitz.
Dorfkirche St. Martini
Die Dorfkirche St. Martini befindet sich im Ortsinneren und gibt große Rätsel zu ihrer Entstehung auf. Zahlreiche sichtbare Umbaumaßnahmen und verlorene Unterlagen haben die bisherigen Nachforschungen erschwert.
Es handelt sich um eine Hallenkirche mit einem vorgelagerten Westturm. Strebepfeiler fangen das Gewicht der Wände auf. Leider befindet sich die Kirche in einem sehr bedauerlichen Zustand. Daher hat sich jüngst ein Verein gegründet, der sich nun intensiv um der Erhalt und die Sanierung der Kirche kümmert.
Kontakt: Förderverein der Kirche St. Martin in Memleben e.V.
Anschrift: Vollkmar-Kroll-Str. 7; 06642 Memleben
Spendenkonto:
Volksbank Halle Saale eG
Kt.-Nr. 850 76 00
BLZ: 800 937 84
Führungsangebot
Öffnungszeiten
15.03. bis 31.10.
täglich 10.00 bis 18.00 Uhr
01.11. bis 14.03.
10.00 bis 16.00 Uhr
nur Außenanlage
Veranstaltungen 2013
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Anschrift
Museum Kloster und Kaiserpfalz
Memleben
Thomas-Müntzer-Str. 48
06642 Memleben
Tel: 034672 / 60274
Fax: 034672 / 93409
E-Mail:
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